| Der Titel "Seebad" hatte große Bedeutung für die weitere Entwicklung und das Bekannt werden des Ortes. Als erster bekannter Badearzt im Seebad Heringsdorf praktizierte in den Sommermonaten Sanitätsarzt Dr. von Wallenstedt, der in seinem Buch 1879 "Das Ostseebad Heringsdorf auf der Insel Usedom" die wirksamen Heilfaktoren des Seebades hervorhob. Zu diesen gehören: 1. der Salzgehalt des Meerwassers, 2. der Wellenschlag, 3. die Seeluft, 4. die Temperatur des Wassers und der Luft, 5. der physische Eindruck, den der Anblick des Meeres auf Geist und Gemüt ausübt. Dr. med. Kortüm und Dr. med. Voigt sind die folgenden Badeärzte, die zur gleichen Zeit in Heringsdorf (1884) eine Praxis haben. | ![]() |
| Im Jahre 1884 hat das Seebad drei Badeanstalten, die dem Besucher Gelegenheiten boten, die erfrischende und heilende Wirkung des Meerwassers kennen zu lernen: das Damenbad 500 Meter vom Fischerweg in Richtung Bansin mit 24 Hütten- und 2 Zellenbädern, das Herrenbad unterhalb vom Kulm mit 54 Hüttenbädern und ein Damenbad am Damenbadweg östlich des Kurhauses mit 44 Hütten- und 3 Zellenbäder. Das zum Seebad gehörende Warmbad befand sich im Erdgeschoss des Kurhauses. Es hatte 13 geräumige mit allen, für die damalige Zeit schon fortschrittlichen Bequemlichkeiten (Öfen und Duschapparaten) versehenen Badestellen mit weißen Kacheln. Der Vorläufer der späteren " Kaiser-Wilhelm-Brücke" war eine ins Meer hinausgebaute Landungsbrücke mit zwei Zugängen. Auf dieser mit Ruhebänken versehene Landungsbrücke konnte man die Seeluft aus erster Hand schnuppern. Es gab von hier aus regelmäßige Dampfschiff-Verbindungen von Stettin/Swinemünde nach Heringsdorf sowie Stettin/Swinemünde nach Sassnitz auf Rügen, Heringsdorf anlaufend. Eine weiter Verbindung gab es zwischen Stettin/Swinemünde und Kopenhagen mit dem Postdampfer "Titania". Die Strandpromenade nach Ahlbeck mit seinen Villen und parkähnlichen Gartenanlagen auf der einen Seite und seewärts den freien Blick auf das Meer war eine willkommene Gelegenheit sich zu präsentieren nach dem Motto "sehen und gesehen" werden. Sie gehörten zu den beliebtesten Spaziergängen und vereinte täglich, besonders in den Nachmittags- und Abendstunden fast die gesamte Badewelt. Nicht nur die Strandpromenade in östlicher und westlicher Richtung lud zu Spaziergängen ein, sondern auch die Wanderwege landeinwärts durch den Heringsdorfer Forst mit seinem herrlichen Buchenbestand und Ausflugszielen wie Präsidentenberg, Försterei, Störtebeckerhöhle, Neu Welt, Waldeinsamkeit und noch einzelne Waldlichtungen, die als Charlotten-Platz, Eichen-Platz und Wald-Grotte bezeichnet wurden. Nicht vergessen möchte ich in meinen Aufzählungen den Kulm, dem höchsten Punkt von Heringsdorf mit seinen 35 Meter über dem Meeresspiegel. Von hier aus hat, besser gesagt hatte, man eine herrliche Aussicht auf das Meer und die pommersche Bucht mit der Ostmole und dem Leuchtturm von Swinemünde sowie der Insel Wollin mit dem Kaffeeberg. Auf jeder alten Lithografie ragen die hohen Buchen hervor und man erkennt sofort den Kulmberg. Die letzten dieser Bäume sind bei der Sanierung der Villa "Hohe Buchen" der Säge zum Opfer gefallen. Spärliche sieben Bäume als Ersatzpflanzungen stehen nun am Hang der Villa zur Promenade, wo einst 51 Laubbäume standen. Die Aussichtsplattform und der Weg zur Promenade fristen zur Zeit ein unschönes Dasein. Hier ist der Mensch gefragt, der helfend in die Natur eingreift und wieder Sichtachsen, keine Kahlschläge schaffen kann. | |