| Im Jahre 1871 erfahren die Brüder Hugo und Adelbert Delbrück, dass die Gräfin von Stolberg-Wernigerode, seit 1860 Besitzerin des Vorwerkes Gothen, ein Teil der zum Besitz gehörenden Waldungen verkaufen will. Die Brüder Delbrück beschließen als Käufer aufzutreten. In seinen Erinnerungen erzählt Adelbert Delbrück: " ... beschlossen am nächsten Morgen in aller Frühe nach Heringsdorf herüber zu fahren (v. Swinemünde kommend). Wir fuhren bald nach Sonnenaufgang am Strand entlang und als wir dann vom Strande herauf in den Buchenhain einfuhren, der von der Sonne beschienen, im ersten Grün prangte, riefen wir gleichzeitig aus: Weg mit Misdroy, hier bleiben wir." Ein Besitz von 800 Morgen Wald, eine Badeanstalt und einige Häuser werden für 115000 Taler erworben. Die Gesellschafter gründen 1872 die Aktiengesellschaft Heringsdorf. Damit begann für das spätere Seebad Heringsdorf ein neues Kapitel in der Entwicklung und der eigentliche Aufschwung. | |
| Es werden Straßen und Wege angelegt, die Strandpromenade nach Ahlbeck und eine Gasanstalt gebaut, Wasserleitungen verlegt, Vergrößerungen der vorhandenen Badeanstalten folgen, Kurhäuser (1. Kurhaus, siehe Lithographie) und eine neue Warm-Badeanstalt entstehen, ein Kurpark direkt vor dem Kurhaus und nahe dem Strand mit Konzert- und Promenadenplatz werden angelegt. Ab 1877 verhandelt die Aktiengesellschaft mit Gräfin Stolberg-Wernigerode, die noch Besitzerin des Vorwerkes Gothen ist und den Gemeinden Neuhof und Neukrug. Ziel ist es, Heringsdorf zu einer selbstständigen Gemeinde zu erklären. Das Ergebnis ist der Zusammenschluss von Neukrug und Heringsdorf zum Seebad Heringsdorf. Neuhof wollte sich nicht anschließen und blieb bis 1945 eigenständige Gemeinde. |
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| Die kaiserliche Verordnung vom 4. Juni 1879 lautet: "Auf den Bericht vom 24. Mai des Jahres will ich die im Kreise Usedom-Wollin gelegenen Kolonien Heringsdorf und Neukrug mit den auf der wieder beifolgenden, von dem Katasterkontrolleur Sommer entworfenen Handzeichnung d. d. Swinemünde, 15. April 1878, rot und bzw. gelb eingezeichnete Realitäten unter Abtrennung von dem selbstständigen Gutsbezirke mit den Namen Gothen hier durch zu einem besonderen Gemeindebezirke mit dem Namen ¹Seebad Heringsdorf¹ erklären. Schloß Babelsberg, den 4. Juni 1879, gez. Wilhelm. gegegez. Graf Eulenburg." | |