Ursprung und Namensgebung

Begonnen hat alles im Jahre 1819 mit einer namenlosen Fischerkolonie östlich von Neukrug. Der damalige Besitzer des Vorwerkes Gothen, Georg Bernhard von Bülow, dessen Todestag sich am 5. März 2004 zum 150. Male wiederholte, begann einzelne Waldstellen zu lichten und die somit gewonnenen Bauplätze an Büdner und Fischer zu verkaufen. Allmählich vergrößerte sich der Ort und im Jahre 1820 weilte auf Einladung des Herrn von Bülow der preußische König Friedrich Wilhelm III. mit seinen Söhnen in der neuen Siedlung des Oberforstmeisters von Bülow, um Augenzeuge beim Heringsfang sowie beim Verpacken und Einsalzen der Heringe zu sein.

Bei dieser Gelegenheit geruhte der Kronprinz, später König Wilhelm IV., auf Bitten des Oberforstmeisters dem neuen Ort einem Namen zu geben und in Hinblick auf jene wichtigste Ernährungsquelle und ihre Schmackhaftigkeit schlug er den Namen "Heringsdorf" vor. Diese Namensgebung soll am Strand stattgefunden haben.

Herr von Bülow beobachtete das Geschehen in dem benachbarten Swinemünde und baute drei Logierhäuser, ein Gesellschaftshaus, ein Haus für warme Bäder und legte zwei Seebadeanstalten an. Das Badeleben entwickelte sich bescheiden, am Strand befanden sich kleine Holzhütten, die als Umkleidekabinen dienten. 1825 eröffnete von Bülow den Badebetrieb und damit ist Heringsdorf nach Swinemünde (1824) das zweite Bad auf Usedom. Die meisten Häuser waren niedrig und selten mit Stockwerken versehen, die Dächer mit Schilf gedeckt.

Gepflasterte Straßen gab es nicht, nur Sandwege, auf denen es sich gut reiten, aber schlecht fahren und noch schlechter gehen ließ. Dementsprechend war auch die Inneneinrichtung äußerst einfach, wie denn auch vornehmste Badegäste anspruchslos waren und auf Seegrasmatratzen bzw. Strohsäcken schliefen. Ein großer Teil der Gäste quartierte sich bei Fischern ein und brachte alles mit, was für die Dauer des Aufenthaltes nötig war.

Sanne / Heringsdorf bei Swinemünde
Der erste Dichter, der über die Schönheiten Heringsdorfs plauderte, war Willibald Alexis. Schon 1836 schrieb er: " Die ersten Häuser wurden von Freunden der Natur gegründet, die sich aus dem Badegewühl der Stadt in diese liebliche Einsamkeit zurückzogen. Auf einer schroffen Wand, dicht über dem Meere, dessen Unermesslichkeit vor sich und hinter sich, umschattet und umrauscht von dem alten herrlichen Buchenwald, der sich tief in die Insel zieht, konnten sie keinen schöneren Platz wählen."

Die ersten Besucherzahlen stammen aus dem Jahre 1840 und sind mit 400 Gästen für die ganze Saison angegeben. Aus dem Jahre 1853 sind folgende Einwohnerzahlen bekannt: Heringsdorf 134, Neukrug 115, Neuhof 165 und Gothen 98 Bewohner.

Im Zuge der Ortsentwicklung wurde bald der Bau einer eigenen Kirche für notwendig erachtet. Die Dörfer Gothen, Neuhof, Neukrug, und Heringsdorf gehörten zur Parochie Benz. Wer am Sonntag in die Kirche wollte, musste den sieben Kilometer langen Weg nach Benz auf sich nehmen. Auch die damalige Badegesellschaft litt unter dem Druck der mangelhaften kirchlichen Versorgung, schreibt ein Reiseführer.

Nach einer längeren Planungsphase lag am 1. Dezember 1843 der Entwurf vom Hofbaurat Persius vor. Im Jahre 1846 wurde mit dem Bau begonnen und am 2. September 1848 konnte die Kirche feierlich eingeweiht werden. Den Bauplatz stellt der Oberforstmeister v. Bülow unentgeltlich zur Verfügung. Bei der Einweihung fehlte noch die Orgel und manch anderes, welche durch Sammlungen und Schenkungen reicher Badegäste aufgebracht wurde.